StadtMenschen – Gabriela und Savo Ristić und der Verein Kunst und Menschen KUM

Eine StadtRecherchen-Ausgabe ohne Gaby und Savo geht nicht. Die beiden sind von Beginn an in unterschiedlichen Rollen an den StadtRecherchen beteiligt. Mit dem Verein Kunst und Menschen KUM sind sie für uns ein fixer Ankerpunkt in der Donaustadt und zugleich Brücke zum Vorstudienlehrgang der Wiener Universitäten, wo wir gemeinsam Workshops mit Studierenden organisieren. Und sie stehen auch noch selbst auf der Bühne. Zusammen mit Johanna Jonasch  entwickeln sie mit ihrer Gruppe Ensemble 22 heuer bereits zum dritten Mal ein Theater- und Performanceprojekt für die StadtRecherchen. Im Interview haben uns Gaby und Savo erzählt, wie es dazu kam und welche Potenziale sie in dem Projekt sehen.

 

Savo: Vor drei Jahren ist Airan Berg zu uns in die Donaustadt gekommen und hat uns bei mehreren Info-Abenden das Projekt StadtRecherchen vorgestellt. Also, dass einfache Menschen und Bezirksbewohner*innen die Gelegenheit haben teilzunehmen und sich mit unterschiedlichen Kunstrichtungen zu beschäftigen, zum Beispiel mit Theater, Tanz oder auch Film. Das hat uns einfach sofort beeindruckt. Die Idee, dass wir da einfach mitmachen können, ohne Profis zu sein oder Vorwissen zu haben. Und vor allem, dass das bei uns direkt im Bezirk stattfindet, ohne dass wir es weit haben, und dass wir einfach mit Freunden in einer lockeren Runde unter der Anleitung von Workshopleiter*innen mitmachen und dann sogar im Burgtheater auftreten können. Das war der Ansporn.

StadtRecherchen: Wie war das dann im ersten Jahr?

Gaby: Im ersten Jahr war es ganz toll. Also, es ist immer toll (lacht). Aber im ersten Jahr war es besonders toll. Ich hab‘ vorher schon ein bisschen Theater gespielt, aber für die meisten war das ganz etwas Neues. Auch, dass wir mit Masken gearbeitet haben, das habe ich selber auch noch nie gemacht. Wir haben aus der Orestie, die damals im Burgtheater Premiere hatte, einen Teil des Textes herausgenommen, in dem es um Rache geht. Die Mitwirkenden haben dann selber Masken angefertigt und wir sind als Erinnyen aufgetreten.

StadtRecherchen: Ihr seid ja da nicht klassisch auf der Bühne gestanden, sondern wart in ganz direktem Kontakt zum Publikum.

Gaby: Das war im zweiten Stock, im Pausenfoyer. Da sind wir als Erinnyen vorgestürmt, schreiend als Rachegöttinnen, und die Leute waren ganz erschrocken (lacht). Das war wirklich sehr toll. Letztes Jahr haben wir dann über den Tod gearbeitet, zum Stück jedermann (stirbt), unter dem Titel Der Tod ist ein Wiener. Da haben wir ein Gedicht von HC Artmann als Grundlage genommen und ein Wienerlied. Das habe ich gesungen und der Text ist von uns wieder chorisch vorgetragen worden. Es ging darum, wie ein quasi „Neu-Gestorbener“ zu den Toten kommt und in ihre Mitte aufgenommen wird.

Ensemble 22 bei den StadtRecherchen 2017 - Foto Reinhard Werner
Ensemble 22 bei den StadtRecherchen 2016/17 – Foto Reinhard Werner

StadtRecherchen: Ihr seid ja in verschiedenen Rollen in die StadtRecherchen involviert. Mit dem Verein Kunst und Menschen seid ihr ja auch ganz wichtige Kooperationspartner für uns.

Savo: Mit dem Verein Kunst und Menschen versuchen wir, Projekte zu machen, mit denen wir Menschen erreichen, auch interkulturell. So dass jede*r, der Lust auf Kunst hat, entweder verschiedene Veranstaltungen besuchen kann oder selber ausstellen, auftreten oder teilnehmen kann. Das machen wir insbesondere auf Bezirksebene, aber auch Wien weit, mit den Studierenden des Vorstudienlehrgangs. Wir wollen Menschen eine Chance geben ihre Talente zu zeigen. Wenn die Schwelle hoch ist, weil die Leute denken, ich kann das doch nicht, ich bin kein Profi, dann ermutigen wir sie den nächsten Schritt zu machen.

Gaby: Auf die Idee, das auch mit internationalen Studierenden zu machen, ist Savo gekommen, weil ich am Vorstudienlehrgang der Wiener Universitäten Deutsch als Fremdsprache unterrichte. Wir sind dort AHS-Lehrer im Hochschuldienst. Es ist eine sehr interessante Arbeit, weil man mit vielen Kulturkreisen in Kontakt kommt. Und für internationale Studierende wird es ja zurzeit immer schwieriger. Deswegen sind die Workshops auch einmal eine Möglichkeit, dass sie etwas anders machen können als lernen und Formulare ausfüllen (lacht).

Savo: Ich war selbst Student am Vorstudienlehrgang und ich weiß, wie es für mich war. Man ist Neuankömmling in Österreich eigentlich nur aufs Student-Sein und Deutsch lernen reduziert und sonst existiert man nicht. Dabei gibt es so viele Talente. Wir haben nachgefragt, welche Interessen es unter den Studierenden gibt und haben erfahren, dass es viele tolle Künstler*innen unter ihnen gibt, Musiker*innen, Maler*innen, Tänzer*innen zum Beispiel. Wir sehen das auch als Möglichkeit, dass sie sich auch einmal von dieser Seite zeigen können. Und dass sie in der Stadt Fuß fassen und sich mit der Stadt austauschen können. Ich glaube, wenn sich die Studierenden dann in zehn Jahren mal an den Vorstudienlehrgang erinnern, dann werden sie sich an dieses Projekt erinnern.

Gaby: Das, was in diesem Zusammenhang zählt, ist die Qualität. Und die ist hier durch unsere Workshopleiter*innen wirklich sehr hoch. Das kann man nicht einfach so erwarten.

StadtRecherchen: Ich möchte jetzt nochmal auf eure Arbeit im 22. Bezirk zurückkommen. Warum ist euch das wichtig, dass man hier sozusagen Entwicklungsarbeit im Bereich Kultur leistet?

Savo: Wenn man den 21. und 22. Bezirk betrachtet, dann sind sie von der Einwohnerzahl beinahe so groß wie Graz. Das ist die zweitgrößte Stadt in Österreich! Und wenn man vergleicht, was es in Graz an Kulturleben gibt und in der Donaustadt zum Beispiel, dann ist das schrecklich. Die Donaustadt hält wahrscheinlich nicht einmal mit kleinen Gemeinden mit. Außer dem Orpheum und einer Kabarettbühne gibt es hier nichts. Weder Ausstellungsräume noch Theater, noch Orte für Musikveranstaltungen. Es gibt eine Musikschule, aber das ist auch schon alles. Und auch wenn einmal etwas im Bezirk passiert, erfahren wir es nicht. Ich habe aus diesem Grund die Facebook-Seite Kulturplattform Donaustadt gestartet, damit die Leute erfahren, was hier passiert. Wir versuchen im Kleinen den Kulturbereich zu verbessern, auch Künstler*innen zu Kooperationen zu bringen, auch um größere Projekte anzuregen.

Gaby: Was im 22. Bezirk notwendig ist, ist einerseits die Forcierung der Kulturaktivitäten, aber auch der Bildungseinrichtungen. Es ist fast ein reiner Wohnbezirk, es gibt viel zu wenige Schulen und Bildungseinrichtungen. Auch das müsste ausgebaut werden.

Savo:  Wir wollten auch noch etwas über die Workshopleiter*innen sagen!

Gaby: Ja, genau! Also, wir sind von Johanna, mit der wir schon drei Jahre arbeiten, sehr begeistert. Sie macht es wirklich sehr kurzweilig und man merkt gar nicht, dass man dabei auch Text lernt (lacht)…

Savo: Wir haben schon Pläne geschmiedet, ob wir – wenn es über die StadtRecherchen nicht mehr möglich sein sollte – Johanna fragen, ob sie mit uns weiterarbeitet, als Theatergruppe. Sie weiß allerdings noch nichts davon (lacht).

Ensemble 22, StadtRecherchen 2017/18 - Foto Georg Soulek
Ensemble 22 bei der StadtRecherchen-Präsentation 2017/18 im Akademietheater – Foto Georg Soulek

Weitere Infos über den Verein Kunst und Menschen findet ihr unter www.kum.co.at und auf www.facebook.com/kunstundmenschen/

Infos über kulturelle Veranstaltungen im 22. Bezirk gibt es bei der Kulturplattform Donaustadt auf www.facebook.com/kulturplattformdonaustadt

Videodokumentation von Adrian Ristić über die StadtRecherchen-Präsentation am 10. Juni 2017/18, Erstausstrahlung auf Okto-TV:

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